Achte auf das Positive, nicht auf die Gefahren
Wir sind darauf programmiert, das zu bemerken, was nicht stimmt. Das ist kein Charakterfehler, sondern Biologie. Das System des Gehirns zur Erkennung von Bedrohungen ist ständig aktiv: Es sucht nach Gefahren, erfasst Probleme und wappnet sich für den Aufprall. Und obwohl dieser Instinkt unsere Spezies am Leben erhalten hat, ist es eine miserable Art, einen ganz normalen Dienstag zu überstehen.
Die Therapeutin Deb Dana hat einen Begriff geprägt, den es sich zu merken lohnt: „Glimmer“. Er stammt aus ihrer Arbeit zur Polyvagaltheorie aus dem Jahr 2018 und ist das Gegenteil eines Auslösers. Ein „Glimmer“ ist ein kleiner, oft flüchtiger Moment, der ein Gefühl von Geborgenheit, Wärme oder Verbundenheit auslöst. Wenn einer deiner Hunde ungefragt seinen Kopf auf deinen Schoß legt. Der erste warme Tag nach einem langen Winter. Ein Lied, das genau im richtigen Moment zu dir passt. Das sind keine großen, lebensverändernden Erlebnisse. Genau das ist der Punkt.
Danas Erkenntnis basiert auf den Erkenntnissen der Neurowissenschaften: Das Nervensystem lässt sich durch wiederholte, sanfte positive Impulse behutsam in Richtung Regulierung lenken. Heilung geschieht nicht durch radikale Maßnahmen. Wir verändern uns schrittweise, ein kleines Signal nach dem anderen.
Es geht also nicht um positives Denken. Es ist ein Training der Achtsamkeit. Es bedeutet, sich mehr als einmal am Tag zu fragen: Was ist eigentlich gerade hier und jetzt? Nicht, um das Schwierige zu ignorieren. Sondern um zu verhindern, dass das Schwierige alles andere übertönt.
Die meisten von uns haben Jahre damit verbracht, sehr gut darin zu werden, zu erkennen, was kaputt ist. Wir können lernen, ebenso geschickt darin zu werden, zu erkennen, was funktioniert.
Fang klein an. Bleib offen. Lass die Lichtblicke herein.